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prepared spaces

Marcus Braun



Gedanken zu
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von
Marcus Braun

FUJARA / MEDITATION I - III

I

Essayer, Ausschwemmungserscheinung, auch das ist der Beginn, das Meer trank hier Blut und die Höhlen sind in uns, das Wort Trennung setzt dabei Falsches voraus, es schmeckt nach Sand, man muß zu warten verstehen, das Meer steht über dem Land und die Kreuze hängen hoch in der Provinz, schließlich verstehen wir Graugänse nur, weil wir uns selbst kennen, und nicht umgekehrt, es verwesen die Reste des Urvertrauens, die Körper sind heilig, singende Gasflammen am Strand, auf einmal war ihm, als hätte er Schritte gehört, mit entblößter Brust.

II

Ein Regen, der fast horizontal übers Land jagt. Der Himmel, ein ewiges Beinhaus über der Stadt. Ein Leben, zur Hälfte gelebt. Ein Bier, fast ausgetrunken. Eine Zigarette, die letzte der Schachtel. Eine blaue Wolke auf einem weißen Blatt Papier. Eine ständig verstimmte g-Saite. Immer noch keine Außerirdischen. China, das im einundzwanzigsten Jahrhundert von Tibet aus regiert wird (und keiner weiß es, außer einer Handvoll Chinesen natürlich). Verschiedene Stimmen, deren Worte ich nicht verstehe. Jemand, der sagt: Du solltest ein Kind haben, dann geht sowieso alles weiter. Ein Igel, der sich vielleicht nur zusammengerollt hat und vielleicht tot ist (am Wegrand). Ein Mädchen, das alles versteht, aber mit niemandem spricht (wirklich mit niemandem). Die Bäume, die stehen wie (römische) Einsen, es gibt keinen Wind.
Die Frage, wieviele Engel auf eine Nadelspitze gehen. (Alle.)

III

Obertöne, warten auf...

den Prinzen, der einem aus dem Dreck ziehen wird, auf den Fensterputzer und den Schornsteinfeger, den ersten Schnee, den ersten Frühlingstag, den Messias, das jüngste Gericht und die Vorsuppe, auf die Wachablösung, den Heimaturlaub, die letzte Ölung und die ewige Wiederkehr, den Jahresabschlußbericht, den Tod und die Auferstehung der Toten, den Heiligen Geist und die Rückrunde der Bundesliga, die große Liebe und den Dämon des Mondes, die Renaissance und den Beginn des großen Landmachens, auf ein paaar Nachzügler, die Entgiftung und das Erschießungskommando, eine Sternschnuppe und einen Regebogen, die Ausrufung des Gottesstaates und die Rückkehr der Jedi-Ritter, ein goldenes Zeitalter und das Schlüpfen der Larven, das Auftauchen der Wasserleiche und die Ankunft der Fremden, das Übliche und die Preußen, die Nacht, ein Stück Bauland und die Rückkehr der Freundin (die sich nur beim Nachbarn ein Teppichmesser ausleihen wollte), auf eine neue Sektglassorte und den Ammenrapport, die Klavierlehrerin und das Hühnerfrikasse, die Ausmistung des Affenstalls, das Sandmännchen und die siebente Frau, den Onkel Doktor und das Amen in der Kirche.


EPILOG

Der Stolz ist aus sämtlichen Rindengebieten verschwunden, die lenkbaren Kakerlaken im Kopf verhalten sich still, krallen sich von innen an die Schädeldecke (es wird sich wie immer in der Naturwissenschaft um einen Meßfehler handeln), die Wunde der späten Blicke, nimm mich auf in dein Reich, ein Bunker, ein Kompass, die fehlenden Formen werden ersetzt mit Hilfe von Umschreibung durch andere Formen, der Rahmen des Möglichen kann nicht gesprengt werden, die Wunde der späten Blicke, die graziöse Tänzerin stört das nicht, es geht an die blutrote Substanz, Spalten Teilen Aufspüren Rückerinnern, das Schwerste am Körper sind Sonne und Wein.


Biographisches zum Autor


Website zum Roman „Armor“
Musik: Marco Trochelmann